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Ein Brief an die Leserinnen und Leser von EUvsDisinfo

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Eine der am häufigsten wiederholten Aussagen in verschiedenen Podiumsdiskussionen, Roundtables und Debatten über Desinformation lautet: „Wir sollten Desinformation nicht als die neue Normalität akzeptieren.“

Wir sind der Ansicht, dass es der beste Weg ist, unsere Reaktion auf Desinformation aufzubauen, wenn wir die Realität um uns herum anerkennen. EUvsDisinfo macht nun seit sechs Jahren auf pro-kremlische Desinformation aufmerksam. Wir haben gesehen, wie das Bewusstsein in der EU für die Handlungen des russischen Staates, der den Informationsraum im Inland und im Ausland manipuliert, allmählich gewachsen ist.

Doch ebenso hat sich die Auswirkung der Desinformation verstärkt. Wie es der Forscher Keir Giles ausdrückt:

„Eine längerfristige Perspektive einzunehmen erfordert anzuerkennen, dass Unterwanderung ein Prozess und kein Ereignis ist, und langfristige Trends zu betrachten, zum Beispiel, was im Informationsraum in englischsprachigen Ländern im Jahr 2020 im Vergleich zu 2015 normal ist. Dieser Vergleich zeigt einen spektakulären Wandel in erstaunlich kurzer Zeit.“Unterstützt durch die Richtlinien und Algorithmen von Social-Media-Plattformen hat Russland Trends der Fragmentierung, des Misstrauens und der Entstehung alternativer Realitäten genutzt und beschleunigt – und wird nun von einer breiten Palette ausländischer und inländischer Nachahmer begleitet, die sich entscheiden, russische Taktiken für ihre eigenen politischen Ziele zu imitieren und damit den angerichteten Schaden verstärken.”

Vor einigen Tagen sagte die ukrainische Journalistin Alyona Romanyuk, die wir für EUvsDisinfo interviewt haben:

„Wir haben einst für das Recht gekämpft, die Wahrheit zu sagen. Heute kämpfen wir dafür, dass die Wahrheit im Meer der Desinformation gehört wird.”

Desinformation ist in der Tat ein besorgniserregender und anhaltender Trend in Informationsumgebungen auf der ganzen Welt, wobei staatliche und nichtstaatliche Akteure sie einsetzen, um offene Gesellschaften zu polarisieren und zu verwirren. Die Frage „verbreitet Russland Desinformation“ hat sich heute in „wer sonst übernimmt Russlands Taktiken“, „was ist mit den Auswirkungen“, „was ist mit anderen aufkommenden Akteuren und Techniken der Informationsmanipulation“ verwandelt.

Gleichzeitig haben sich auch die Reaktionen weiterentwickelt – die EU setzt den Europäischen Aktionsplan für Demokratie um und schlägt den Digital Services Act vor, wobei sie Wege erwägt, um Desinformationsakteuren Kosten aufzuerlegen, sowie Optionen zur Regulierung des Online-Raums.

Öffentliche Offenlegung ist ein Weg, um Desinformation entgegenzutreten und Reputationskosten zu schaffen.Im Rahmen der EU-Reaktion auf ausländische Desinformation und Manipulation hält EUvsDisinfo Russland fortlaufend zur Rechenschaft und stellt seine laufenden Desinformationskampagnen infrage.

Liebe Leserinnen und Leser, Partner und Kritiker. Wir machen nun weiter mit der Entwicklung und Verbesserung der EUvsDisinfo-Kampagne. Wir haben unsere Datenbank bereits für Forschende zugänglicher gemacht und arbeiten weiter an der Erstellung einer Website, die interessanter, aktueller und für Sie leichter zu nutzen sein wird.

Wir möchten Ihre Ansichten, Rückmeldungen und Meinungen zu unserer Arbeit hören. Möchten Sie mehr Veranstaltungen wie die EUvsDisinfo-Konferenz in Brüssel und Disinfo Alert! in Georgien sehen? Oder arbeiten Sie daran, Desinformation entgegenzuwirken, und würden gerne kleine Zuschüsse für gemeinsame Projekte sehen?

In der deprimierenden Welt der Desinformation hatten wir auch jede Menge Spaß. Wir glauben, Humor ist ein wesentlicher Weg, um Desinformation anzugehen – stimmen Sie zu?

Teilen Sie Ihre Ideen. Wir werden Ihre Vorschläge in unsere Entwicklungsarbeit einbeziehen und mit einem noch besseren, aktualisierten EUvsDisinfo zurückkommen.

Einige Höhepunkte unserer Reise in den vergangenen sechs Jahren. Wir haben South Front als ein Medium entlarvt, das versuchte, seine Wurzeln nach Russland zu verschleiern – zwei Jahre bevor die USA es sanktionierten.Wir haben die Taktiken von EP Today aufgedeckt, einem Portal, das sich als zuverlässige EU-Website tarnte. Unsere Arbeit hat dazu beigetragen, weitere Enthüllungen über ausländische Desinformationsoperationen voranzutreiben, die ihren Ursprung in Indien und Russland haben.

Unsere Datenbank beantwortet eine weitere häufige Frage: „Wo sind die Belege?“. Hier sind sie – öffentlich zugänglich: fast 12.000 Beispiele laufender pro-kremlischer Desinformationskampagnen. Ob der Anschlag von Salisbury, die COVID-19-Pandemie oder der jüngste militärische Aufmarsch entlang der ukrainischen Grenze – die Datenbank ermöglicht es Ihnen, bis zum Beginn der Kampagne zurückzuverfolgen und nachzuvollziehen, wie sich Botschaften entwickelt und in rund 20 Sprachen verbreitet haben.

Wir teilen die Erkenntnisse der Datenbank regelmäßig mit Forschenden. In jüngster Zeit wurden sie von ASPI, der Universität Zürich u. a., dem Stanford Internet Observatory, GEC und CAPS/IRSEM genutzt.

Neben englischen und russischen Sprachversionen übersetzen wir unsere Produkte ins Französische, Deutsche, Italienische und Spanische und werden in Kürze mit Übersetzungen ins Polnische sowie in die Sprachen aller Länder der Östlichen Partnerschaft beginnen.Wir bieten Ihnen tägliche Analysen zu sich entwickelnden Techniken und Trends, interviewen Journalistinnen, Journalisten und Aktivistinnen und Aktivisten, um ihre Ansichten darüber zu teilen, wie Desinformation entgegengewirkt werden kann, und geben Hinweise, was unsere Leserinnen und Leser selbst tun können.

Nach sechs Jahren hat sich EUvsDisinfo zu einem einzigartigen öffentlichen Angebot entwickelt. Es wird von der EEAS-East Stratcom Task Force verwaltet. Die Analyse basiert auf offenen Quellen und stellt keine offiziellen Positionen der EU dar.

Wir möchten Ihre Stimmen durch das Meer der Desinformation hören.

Bitte teilen Sie Ihr Feedback hier.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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