Ein unangenehmer Vorfall

Moški s kamero snema v temni nadzorni sobi. (Opis, ki ga je ustvarila umetna inteligenca)
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Der Kreml verharmlost den verheerenden ukrainischen Angriff auf russische Militärflugplätze, sucht nach Ablenkungen und bemüht sich kraftlos, alte Lügen über Terrorismus und Angelsachsen neu aufzuwärmen.

Dies war zweifellos eine herausfordernde Woche für die Informationsmanipulatoren des Kremls, denn ein sorgfältig gesponnenes ukrainisches Spinnennetz legte sich über mehrere strategische Militärflugplätze in Russland und brachte dabei die Desinformationsmaschinerie des Kremls ins Stocken.

Der Einsturz der Eisenbahnbrücke in der Region Brjansk und ein überraschender Unterwasserangriff auf die Kertsch-Brücke verschärften das Dilemma des Kremls noch weiter: Wie kann man die Geschichte so drehen, dass die Ukraine so gut wie erledigt ist, während das russische Hinterland (in jüngster Zeit buchstäblich) in Flammen steht? Die Antwort stammt direkt aus dem Handbuch des Kremls: Alles herunterspielen, was Russlands Schwäche offenbaren könnte, und anderswo nach Ablenkungen suchen.

Stille an der Spitze

Am 1. Juni legte die Ukraine ihre Karten auf den Tisch und zeigte die Asse, die sie bis zum geeigneten Moment im Ärmel behalten hatte. Sie startete die Operation Spinnennetz – sorgfältig geplante und waghalsige verdeckte Drohnenangriffe auf fünf russische Militärflugplätze, von Sibirien bis Murmansk. Nach ersten Einschätzungen des angerichteten Schadens wurde das russische Militär völlig überrascht. Ebenso überrascht war der kremlfreundliche Informationsmanipulationsapparat bis hinauf in die höchsten Kreise des Kremls. Während das russische Militär widerwillig zugab, dass „mehrere militärische Geräte in Brand geraten“ seien, schwieg Putin selbst tagelang nach den Angriffen.

Sogar Wladimir Solowjow, einer der lautstärksten und streitlustigsten Kreml-Propagandisten, zeigte sich in seinen Tiraden ungewohnt zurückhaltend und bezeichnete die beispiellos erfolgreiche ukrainische Operation als „unangenehme Zwischenfälle“. Eine seltsame Selbstbeherrschung für einen Mann, der westliche Hauptstädte regelmäßig mit nuklearer Vernichtung bedroht. Oder, was weitaus wahrscheinlicher ist, die Marschbefehle aus der Kreml-Führung, manchmal als „Temnik“ bezeichnet, waren einfach noch nicht eingetroffen.

Auf Nummer sicher gehen und alte Lügen wieder aufwärmen

In Ermangelung von Anweisungen von oberster Stelle darüber, wie und was verbreitet werden sollte, griff das kremlfreundliche Desinformationsökosystem schnell auf altbewährte Lügen zurück, die es als sichere Option für jede Gelegenheit ansieht. Erster Schritt – die Auswirkungen herunterspielen. Zweiter Schritt – die Ukraine diffamieren und sich selbst als Opfer darstellen. Dritter Schritt – unbegründete Verschwörungstheorien verbreiten, um Verwirrung zu stiften. Vierter Schritt – den Mythos von Russlands Unbesiegbarkeit aufrechterhalten und zur Sicherheit noch etwas nukleares Säbelrasseln hinzufügen.

Eine der bevorzugten kremlfreundlichen Taktiken zur Verunglimpfung der Ukraine besteht darin, ihr Terrorismus gegen Russland vorzuwerfen. Daher wurde die kremlfreundliche Informationssphäre schnell mit Berichten geflutet, in denen der Ukraine Terrorismus vorgeworfen und der Beschuss russischer Militärflugplätze als ukrainischer Terroranschlag bezeichnet wurde. Anfangs war dies fast eine einheitliche Darstellung der ukrainischen Operation gegen legitime militärische Ziele in Russland.

Dies geht Hand in Hand mit Wunschbehauptungen, die Ukraine habe den Krieg bereits verloren und greife Russland nur an, um Friedensverhandlungen zu sabotieren. Dabei sind die ukrainischen Angriffe auf russische Flugplätze vielmehr ein Beweis für Kiews Friedenswillen – denn die Ukraine weiß nur zu gut, dass der Weg zum Frieden mit Russland darüber führt, Russland die militärischen Mittel zur Kriegsführung zu entziehen. Und genau das war das Ziel der Operation Spinnennetz.

Die Ukraine herabwürdigen und dem Westen die Schuld geben

Eine weitere „sichere Option“: Zweifel säen und die Vorstellung zurückweisen, dass die Ukraine überhaupt in der Lage sei, dem mächtigen Russland ernsthaften Schaden zuzufügen. Kremlnahe Sprachrohre nutzen diesen Zweifel dann, um verschiedene haltlose Verschwörungstheorien zu verbreiten, etwa indem sie behaupten, britische Strategen könnten hinter den Angriffen stecken, oder London beschuldigen, die Ukraine zu benutzen, um Russlands nukleare Triade zu untergraben.

Und schließlich – wie immer, wenn das Regime mit Niederlagen oder Blamage konfrontiert ist, erinnern kremlfreundliche Meinungsmacher die Welt gerne an Russlands Atomwaffenarsenal. Dieses scheinbar akademische Nachdenken über die Implikationen der russischen Nukleardoktrin ist in Wirklichkeit eine kalkulierte Taktik des nuklearen Säbelrasselns, um die vorgetäuschten roten Linien des Kremls zu untermauern.

Die Schwächen totaler Informationskontrolle offenbaren sich in aller Deutlichkeit

Moskaus teilweise gelähmte, planlose Reaktion auf die Operation Spinnennetz ist nicht das erste Mal, dass die totale Informationskontrolle des Kremls eine grundlegende Schwäche seines autoritären Systems offenbart. Wird er mit dem Unerwarteten oder Unvorstellbaren konfrontiert, richten sich alle Blicke auf die Spitze des Kremls – und wenn der Zar schweigt, fehlt den Untergebenen das ideologische Fundament für ihre Propaganda.

Als Putin nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall im Jahr 2024 19 Stunden lang auffällig aus der Öffentlichkeit verschwand, erlebte das kremlnahe Desinformationsökosystem einen ähnlichen Moment der anfänglichen Lähmung. Letztendlich folgte man dem gleichen Ansatz, um von dem brennenden Hinterland abzulenken, wie er derzeit angewandt wird, um die Auswirkungen der Operation Spinnennetz zu verdrehen und herunterzuspielen.

Die gleichen Risse und die inhärenten Schwächen traten auch während des missglückten Wagner-Aufstands unter der Führung von Jewgeni Prigoschin im Jahr 2023 deutlich zutage, als Putin fast zwei Tage brauchte, um seine Fernsehansprache zu halten und das Narrativ vorzugeben, der alle Verbreiter kremlnaher Desinformation folgen sollten. Doch in diesen ersten beiden Tagen befand sich der streng kontrollierte Informationsmanipulationsapparat in einem regelrechten Panikzustand. Damals erholte er sich, wie er sich auch jetzt wieder erholen wird, aber die Risse sind sichtbar geworden und werden für alle sichtbar bleiben, während die Ukraine weiter am Mythos der Unbesiegbarkeit Russlands kratzt. Lassen Sie sich nicht täuschen.

Auch in dieser Woche auf unserem EUvsDisinfo-Radar:

  • Der Kreml versucht oft, Russlands eigene Verfehlungen anderen anzulasten. Daher ist die falsche Behauptung, die Ukraine foltere systematisch russische Gefangene, nicht wirklich überraschend – zumal diese Behauptung von einem so bekannten kremlfreundlichen Desinformationsmedium wie RT verbreitet wird. Tatsächlich verwendet das UN-Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte den Begriff „systematisch“ nur für die Misshandlungen, Folter und den Missbrauch ukrainischer Gefangener durch russische Behörden – nicht umgekehrt. Mit der Verbreitung solcher manipulativer Behauptungen versuchte Moskau, von einer bahnbrechenden Untersuchung der Nachrichtenagentur Associated Press abzulenken, die die weitverbreitete Misshandlung ukrainischer Kriegsgefangener durch Russland sowie Enthüllungen über das berüchtigte Taganrog-Gefängnis und andere Haftanstalten ans Licht brachte.
  • Nach einer ähnlich absurden, verdrehten Logik behaupteten die Desinformationsverbreiter des Kremls ebenfalls fälschlicherweise, Russland schütze Kinder in der Ukraine. Diese bizarre Behauptung soll von Russlands gut dokumentierter Beteiligung an der Entführung ukrainischer Kinder ablenken. Aufgrund des russischen Krieges gegen die Ukraine wurden Hunderte ukrainische Kinder verletzt oder getötet, wie das UN-Menschenrechtsbüro bestätigt. Durch die Aggression Russlands sind weitere 1,7 Millionen Kinder zu Flüchtlingen geworden. Russische Verbrechen an Kindern, darunter Entführungen und illegale Deportationen, wurden vom Internationalen Strafgerichtshof anerkannt, der auf Grundlage überzeugender Beweise Haftbefehle gegen Wladimir Putin und die russische Kinderrechtsbeauftragte Maria Lwowa-Belowa erließ. Diese Entführungen wurden ebenfalls von den Vereinten Nationen, der OSZE, Human Rights Watch, Amnesty International und vielen anderen renommierten Quellen dokumentiert.
  • Abschließend ein treffendes Beispiel für die Neigung des Kremls, sich an Copium zu berauschen: die Behauptung, die Sanktionen hätten Russland zur ökonomischen Supermacht werden lassen. Diese Desinformation ist Teil dessen, was einige Experten als russische „wirtschaftliche Kriegpropaganda“ bezeichnen, die darauf abzielt, die Welt von der Sinnlosigkeit der wegen des Angriffs auf die Ukraine verhängten Sanktionen zu überzeugen. Die tatsächlichen Daten zeigen ein ganz anderes Bild (siehe hier und hier für zwei gut recherchierte Zusammenfassungen zur wirtschaftlichen Lage Russlands Ende 2024). So befindet sich beispielsweise der russische Rubel seit über einem Jahrzehnt in einem Abwärtstrend und stürzte im letzten Quartal 2024 auf ein historisches Tief ab. Die Liquidität des russischen Staatsfonds (NWF) hat sich zwischen 2022 und 2024 mehr als halbiert, und für 2025 ist keine Besserung in Sicht.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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