African Initiative: Russische FIMI-Operation getarnt als Nachrichtenagentur

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Der Kreml hat seine Operationen zur Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland (FIMI) weltweit kontinuierlich ausgeweitet. Wir haben ihre Spuren insbesondere in der EU-Nachbarschaft verfolgt – vor allem in der Ukraine, Republik Moldau und Georgien – zunehmend jedoch auch in Afrika. Die Herausforderung, russische FIMI-Operationen zu kartieren und aufzudecken, ist gewaltig. Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) arbeitet daher mit gleichgesinnten Verbündeten und Partnern zusammen, um ein umfassendes Verständnis der FIMI-Bedrohung zu entwickeln und durch gemeinsame Aufklärung die Öffentlichkeit für russische Einflussoperationen zu sensibilisieren.

Am 12. Juni veröffentlichten der EAD gemeinsam mit dem französischen Dienst für Wachsamkeit und Schutz vor ausländischer digitaler Einmischung (VIGINUM) und dem britischen Foreign, Commonwealth and Development Office (FCDO) einen gemeinsamen technischen Bericht, in dem die FIMI-Aktivitäten der „African Initiative“ aufgedeckt wurden – einer russischen Nachrichtenagentur, die auf dem afrikanischen Kontinent tätig ist.

Eine Nachrichtenagentur als Fassade für eine FIMI-Operation

Die „African Initiative“ ist – entgegen dem, was der Name vermuten lässt – keineswegs afrikanisch. Tatsächlich handelt es sich dabei fast ausschließlich um ein russisches Projekt. Die sogenannte Nachrichtenagentur wird in Wirklichkeit von dem russischen Staatsbürger Artem Sergeevich Kureev geleitet, einem Offizier des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, dem ideologischen Nachfolger des berüchtigten sowjetischen KGB. Die Europäische Union hat die aktive Rolle dieser Organisation bei der Durchführung von FIMI-Operationen, die sich gegen afrikanische Zielgruppen richten und die Sicherheit und Stabilität der EU untergraben sollen, offiziell anerkannt. Sowohl die „African Initiative“ als auch ihr Chefredakteur Kureev unterliegen nun restriktiven Maßnahmen der EU.

Eine Hinwendung zu Afrika

Seit Russlands groß angelegter Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022 verfolgt der Kreml mit seinen Informationsoperationen auch eine strategische Neuausrichtung in Richtung Afrika. Diese Hinwendung, die im Außenpolitischen Konzept der Russischen Föderation von 2023 festgeschrieben wurde, zeigt sich in einem verstärkten Fokus auf Einflussoperationen im Informationsbereich auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Dabei handelt es sich um Sicherheitspolitik, nicht um Medienarbeit.

Anfangs kombinierte Russlands Strategie offene und verdeckte Methoden. Der offene Teil stützte sich auf staatlich kontrollierte, kremlnahe Medien wie RT (Russia Today) und Sputnik. Moskau versuchte zudem, seinen Einfluss durch die angeblich kulturelle Kooperationsagentur Rossotrudnichestvo zu erweitern, die Präsenz der russisch-orthodoxen Kirche auf dem Kontinent auszubauen und sogar Videospiele zu entwickeln, die ahnungslosen Spielern verdeckt kremlnahe Desinformationsnarrative vermitteln.

Auferstehung aus der Asche der Wagner-Gruppe

Die verdeckte Dimension konzentrierte sich auf das Projekt Lakhta – eine Einflussoperation, die 2013 von Jewgeni Prigoschin, dem verstorbenen Chef der Wagner-Gruppe, ins Leben gerufen wurde. Nach Prigoschins Tod im Jahr 2023 unternahm Russland eine umfassende Umstrukturierung seiner Netzwerke in Afrika. Laut einer Untersuchung der New York Times ging die Kontrolle über das Projekt Lakhta zurück an den russischen Auslandsgeheimdienst (SVR). Die Wagner-Gruppe schien nach Prigoschins selbst herbeigeführtem Untergang zunächst aufgelöst zu werden, wurde jedoch in Wirklichkeit lediglich unter dem Namen „Africa Corps” neu gebrandet, wobei nun der russische Militärgeheimdienst GRU die Aufsicht über das operative Netzwerk der Gruppe auf dem afrikanischen Kontinent übernommen hat.

Das Hauptziel dieses gemeinsamen Berichts – die „African Initiative“ – war eines der sichtbarsten russischen FIMI-Instrumente, das infolge der Umstrukturierung und Neuorganisation der ehemaligen Wagner-Gruppe entstand. Laut diesem Bericht sowie weiteren verlässlichen Untersuchungen handelt es sich bei der sogenannten Nachrichtenagentur offenbar um ein staatlich gesteuertes Projekt, das von Personen mit mutmaßlichen Verbindungen zu russischen Geheimdiensten und Resten von Prigoschins Netzwerk personell besetzt ist. Ihre Mission ist es daher, ähnlich wie bei ihren Vorgängern, die Präsenz Russlands in Afrika aufrechtzuerhalten und auszubauen, indem sie auf früheren Desinformations- und Informationsmanipulationskampagnen aufbaut.

Wie funktioniert das?

Die „African Initiative“ agiert sowohl digital als auch vor Ort. Vor Ort gründet sie Vereinigungen, um lokale Influencer, Journalisten und Aktivisten zu mobilisieren, die russische Propagandabotschaften und Desinformation unter der afrikanischen Bevölkerung verbreiten. Ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist die Gründung einer angeschlossenen Partnerorganisation in Burkina Faso, die sich zu einem zentralen Knotenpunkt für russischen Einfluss auf dem Kontinent entwickelt hat.

Die „African Initiative“ setzt außerdem verdeckte digitale Strategien ein, um ihre Reichweite zu vergrößern und gezielt englisch- sowie französischsprachige Zielgruppen in Afrika anzusprechen. Ein Beispiel für solche verdeckten Techniken zur Verstärkung ihrer Inhalte wird im gemeinsamen Bericht als „AI-Freak“ bezeichnet. Diese Infrastruktur, die zunächst von Meta und OpenAI unter dem Namen StopNews entdeckt wurde, nutzt fiktive Nachrichtenportale und unauthentische Konten auf verschiedenen Plattformen, um kremlfreundliche Desinformationsnarrative an afrikanische Zielgruppen zu verbreiten. Besondere Methoden umfassen den Einsatz von KI-generierten Multimedia-Inhalten sowie unethische Suchmaschinenoptimierungstechniken, um die Online-Sichtbarkeit und Interaktion zu manipulieren. Dieser Bericht legt die verdeckten Verbindungen zwischen „AI-Freak“ und der „African Initiative“ offen.

Wachsende Aufmerksamkeit

Über die „African Initiative“ haben wir bereits in unserem 3. Bericht zu FIMI-Bedrohungen Anfang dieses Jahres berichtet, doch der aktuelle Bericht trägt zu einem zunehmenden Bewusstsein und Verständnis darüber bei, wie Russland seinen globalen Einfluss ausweitet und wie der Kreml FIMI-Operationen weit über die Grenzen Russlands hinaus einsetzt. Die Analyse der drei an diesem Bericht beteiligten Teams hat ergeben, dass die „African Initiative“ eine Schlüsselrolle bei den FIMI-Aktivitäten Russlands spielt.

Lassen Sie sich nicht täuschen.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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