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Die Sünde der Unterlassung

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Bei einer besonderen Art der Nachrichtenmanipulation besteht das Problem nicht darin, was die Geschichte erzählt, sondern darin, was sie nicht erzählt.

Wenn hochrelevante Informationen in der Berichterstattung weggelassen werden, bleibt dem Publikum ein verzerrter Eindruck der Realität.

Letzte Woche war die russische staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti an der Reihe, in einem Bericht über den Status der Krim ein wichtiges Detail auszulassen.

Wer spricht?

„Ex-Bundeskanzler Deutschlands nennt die Wiedervereinigung der Krim mit Russland legitim.“

Dies war die Überschrift eines Berichts, den RIA Novosti am 15. Juni veröffentlichte.Es zitierte Gerhard Schröder, dessen Aussagen ursprünglich erschienen in der deutschen Zeitung Bild.

Der Artikel von RIA Novosti erwähnte lediglich Herrn Schröders frühere Position als deutscher Bundeskanzler; doch weder in der Überschrift noch im Artikel wurde etwas über seine derzeitigen Positionen als Vorsitzender des vom russischen Staat kontrollierten Ölproduzenten Rosneft sowie der Gazprom AG, die ebenfalls vom russischen Staat kontrolliert wird, gesagt.

Durch das Weglassen dieser Information beachtete RIA Novosti nicht die grundlegende Regel im Journalismus, dass Leser informiert werden sollten, wenn jemand, der spricht, Gründe haben könnte, befangen zu sein.

Relevante Informationen über Herrn Schröders Eigeninteressen hatten eine prominente Rolle gespielt in der BILD-Geschichte, auf die RIA Novosti seinen Artikel stützte.

Andere russische Nachrichtenquellen, zum Beispiel Kommersant, vergaßen nicht, bei der Berichterstattung über dieselbe Aussage Herrn Schröders Arbeit für Rosneft und Gazprom zu erwähnen.

Nicht das erste Mal

Diese Sünde des Weglassens ist typisch für die Art und Weise, wie kremlfreundliche Medien versuchen, das Publikum zu manipulieren und es glauben zu machen, dass die Annexion der Krim außerhalb Russlands eine breitere Anerkennung genieße, als dies tatsächlich der Fall ist.

Im Mai berichtete das russische Staatsfernsehen Rossija 24 über „eine US-Delegation“ von „Diplomaten“, die die Krim besucht habe und die „die volle„Integration der Halbinsel in Russland.“ Aber während die betreffenden Amerikaner die Krim tatsächlich besuchten und offenbar korrekt zitiert wurden, handelte es sich in Wirklichkeit um eine 20-köpfige Gruppe, die eine NGO namens The Global Network Against Weapons and Nuclear Power in Space vertrat.

https://www.facebook.com/EUvsDisinfo/videos/375146016436955/?t=0

Klicken Sie, um Rossiya 24s Beitrag über die „amerikanischen Diplomaten“ mit englischen Untertiteln anzusehen.

Im März schrieb RIA Novosti einen Nachrichtenartikel unter der Überschrift „Deutsche Medien berichten über die ‚Renaissance‘ der russischen Krim.“ Auch hier gab es eine reale Quelle, und sie wurde korrekt zitiert, aber es war nur ein einziges Medium, und es hatte erst seit zwei Monaten existiert.

Im Februar wurde den Lesern des russischen Nachrichtenportals Life mitgeteilt, dass „Europäer in Russland Zuflucht vor aggressiver Sexualerziehung, homosexueller Diktatur und Jugendjustiz suchen“ und dass die Krim ihr bevorzugtes Ziel sei. Doch die einzige Quelle für die Geschichte war eine Aussage eines lokalen Politikers auf der Krim von vor vier Jahren, und die Behauptungen konnten nicht durch andere Quellen verifiziert werden.

Unter einer EU-Sanktion

Der CEO von RIA Novosti ist der von der EU sanktionierte Dmitry Kiselyov.Chefredakteurin ist Margarita Simonyan, die zugleich Chefredakteurin von RT ist.

RIA Novosti ist Teil des Medienhauses Rossiya Segodnya, ebenso wie ein weiteres auf Desinformation ausgerichtetes Medium, Sputnik.

Bemerkenswert ist, dass auch die italienische und die polnische Ausgabe von Sputnik Geschichten über die Aussage von Herrn Schröder brachten, ohne irgendeinen Hinweis auf seine Arbeit für kremlkontrollierte Unternehmen.

Um Beispiele für Desinformation in der Berichterstattung von RIA Novosti zu sehen, folgen Sie diesem Link zur EUvsDisinfo-Website.

Weiterführende Lektüre:

Von objektiver Berichterstattung zu Mythen und Propaganda: Die Geschichte von RIA

Krim: Das Spiel ist noch nicht vorbei

Wie groß ist die Obsession des Kremls mit der Ukraine? Spoiler: Sehr groß

Titelbild: Bildschirmfoto von RIA Novosti.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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