Gazproms Doppelstandards
Der russische staatlich kontrollierte Energiekonzern Gazprom möchte in Europa als seriöser Geschäftspartner bekannt sein, der in der Lage ist, eine stabile Gasversorgung zu gewährleisten.
Doch zu Hause in Russland spielt der Gasriese eine andere Rolle.
Hier gehört Gazprom das landesweite Netzwerk NTV, das systematische Medienattacken auf Diplomaten führt, die die europäischen Länder vertreten, ebenso wie auf Aktivisten der russischen Zivilgesellschaft.
Verleumdungsdokumentation
Eine Verleumdungsdokumentation ausgestrahlt von NTV am 8. November manipulierte das russische Publikum dahingehend, in Kontakten zwischen ausländischen Diplomaten und Aktivisten der russischen Zivilgesellschaft Verschwörungen gegen ihr Land zu sehen.
Der Bericht konzentrierte sich auf eine Veranstaltung in Moskau, der NTV einen Anschein von Geheimhaltung zu geben versuchte, indem er sie fälschlicherweise als „unangekündigt“ bezeichnete.
Internationale Programme, die es russischen Journalisten und Aktivisten ermöglichen, im Ausland zu studieren, wurden als Initiativen von „westlichen Einflussagenten“ dargestellt, die „antirussische“ Aktivitäten fördern und auf eine „Destabilisierung Russlands“ abzielen.
Russische Menschenrechtsverteidiger wurden von NTV beschuldigt, ihr Land zu verraten; europäische und amerikanische Diplomaten wurden als ihre „Kuratoren“ dargestellt.
Aufnahmen aus dem Inneren der Veranstaltung wurden mit Aufnahmen gemischt, die Diplomaten beim Verlassen zeigten, wobei sie von NTV-Mitarbeitern aggressiv bedrängt wurden.Die Autoren der Reportage erwähnten auch die Herkunftsländer und die Namen einzelner Diplomaten.
Ein Sinnbild für Manipulationen
NTV ist zu einem Sinnbild für solche manipulativen Medienangriffe geworden.
Im Januar 2018 führte der Sender durch einen ähnlichen Angriff auf europäische und US-Diplomaten sowie russische Menschenrechtsverteidiger unter Verwendung irreführender Informationen durch.
NTV hat verdeckte Operationen durchgeführt, um Video- und Audioaufnahmen zu erlangen und namentlich genannte Personen bei geschlossenen Treffen sowie im Privaten bloßzustellen, in einigen Fällen sogar in intimen Situationen.
Die Manipulationen von NTV am russischen Publikum gingen sogar so weit, dass ein Schauspieler engagiert wurde, der in einem Nachrichtenbeitrag vorgab, ein Bürger zu sein.
Der Fernsehsender von Gazprom steht auch auf dem Radar der britischen Rundfunkaufsicht Ofcom, die NTV Anfang dieses Jahres für ein „schwerwiegendes Versagen bei der Einhaltung der Unparteilichkeitsregeln“ befand.
Drecksarbeit für den Kreml erledigen
Die Bereitschaft von Gazprom, für den Kreml schmutzige Medienarbeit zu erledigen, wurde insbesondere im Jahr 2012 besonders deutlich.In einer Produktion, die heute wegen ihrer Skrupellosigkeit als klassisch gilt, „Die Anatomie des Protests“, waren russische Oppositionsaktivisten Ziel von Manipulationen und geheimen Aufnahmen.
Die direkte Verbindung zwischen dem Kreml und der redaktionellen Linie von NTV ist gut bekannt: Russische Journalisten haben beschrieben, wie NTV-Führungskräfte an wöchentlichen Treffen teilnehmen, bei denen der Kreml Anweisungen für die Mediennarrative ausgibt.
NTV scheut sich nicht, einen Korrespondenten dauerhaft in Brüssel zu beschäftigen, der eine Presseakkreditierung bei den EU-Institutionen hat.
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