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„Wir sind gerade nicht im Fernsehen – wir können die Wahrheit sagen“

Zwei Personen am Tisch mit Papieren und Bechern (Von KI generierte Beschreibung)
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Mitten in einer live gestreamten Marathon-Berichterstattung über die Wahlen vom Sonntag in der Ukraine sagte die Moderatorin des russischen Staatsfernsehens Olga Skabeyeva ihrem Co-Moderator, Jewgenij Popow:

“Wir sind gerade nicht im Fernsehen – wir können die Wahrheit sagen.”

War das ein freudscher Versprecher? Ein ehrliches Geständnis? Oder glaubte die Moderatorin irrtümlich, die Kamera sei aus?

Leugnen – und sich hinter einem Witz verstecken

Der Kommentar wurde schnell von Julia Davis bemerkt, einer amerikanischen Expertin für russische Desinformation, die russisches Staatsfernsehen in Echtzeit auf ihrem Twitter übersetzt und analysiert.

Die Moderatorin von Rossiya 1 reagierte auf Julia Davis’ Kommentar mit einem Tweet, in dem sie schlicht „Lügnerin“ schrieb – und einem zwinkernden Smiley.

Skabeyevas kurzer Tweet deutete zugleich auf zwei klassische Desinformationsansätze hin: Plattes Leugnen und sich hinter einem Witz verstecken.

„Du bist dran zu lügen“

Dennoch hatte Davis richtig gehört.

Frau Skabeyevas Kommentar erinnerte an die Whistleblower-Aussage ihres früheren Kollegen beim Staatssender Rossiya 1, Leonid Krivenkov, der Anfang dieses Jahres RFE/RL erzählte, wie die Mitarbeitenden des Senders auf den internen Kommunikationskanälen scherzhaft sagen würden: „Du bist dran zu lügen” bevor er zu einem Kollegen wechselte.

In einem anderen klassischen Fall gestand ein Mitarbeiter des staatlich kontrollierten NTV vor der Kamera, Desinformation verbreitet zu haben: Der NTV-Journalist bemerkte nicht, dass er aufgezeichnet wurde, als er einem BBC-Korrespondenten erzählte, sein Sender habe über die Tötung eines kleinen Mädchens in der Ukraine berichtet, obwohl man wusste, dass die Tötung tatsächlich nie stattgefunden hatte.

Hand hält Tablet mit Moderator und Untertiteln (Von KI generierte Beschreibung)Im April 2015 behauptete ein Moderator bei Russlands NTV, dass „ein zehnjähriges Mädchen von ukrainischen Regierungstruppen in der Ostukraine getötet worden sei“.Es gab jedoch zwei Probleme mit dieser Geschichte: Es gab keinen Mord, und es gab kein Mädchen.

Die Propaganda des Kremls und ihre Obsessionen

Es war bereits eine wohlbekannte Tatsache, dass die staatlich kontrollierten russischen Medien es vorziehen, innenpolitische Themen zu ignorieren, und dies kompensieren durch eine fast obsessive Berichterstattung darüber, was außerhalb Russlands passiert – insbesondere in der Ukraine.

Weniger bekannt war – ist aber nun dank des Austauschs auf Julia Davis’ Twitter klar –, dass die Propagandisten des Kremls so viel Aufmerksamkeit darauf verwenden, wie ihre Arbeit im Ausland beobachtet und entlarvt wird.

Folgen Sie diesem Link zur EUvsDisinfo-Datenbank, um Beispiele für Desinformation zu sehen, die in der Talkshow „60 minut“ von Olga Skabeyeva und Jewgenij Popow auf dem staatlichen Fernsehsender Rossija 1 erscheinen.

Oberes Bild: Screenshot via Julia Davis.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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