Was stimmt nicht mit RT?
Im vergangenen Monat stellte die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom fest, dass RT (Russia Today) in insgesamt sieben Fällen in „schwerwiegender Weise“ gegen die Regeln der „gebotenen Unparteilichkeit“ verstoßen hatte. Ofcom machte außerdem deutlich, dass man „diese Verstöße im Hinblick auf Sanktionen prüfen“ werde.
Nach der Veröffentlichung der Ofcom-Ergebnisse beschuldigte Russlands staatliche Medienaufsichtsbehörde Roskomnadzor den russischen Dienst der BBC, die Ideologie von „terroristischen Gruppen“ zu verbreiten, und warnte, dass dies Konsequenzen für den britischen Sender in Russland haben könnte.
Die Ofcom-Ergebnisse verdeutlichen grundlegende Unterschiede zwischen RT und der Art von Journalismus, die normalerweise von einem öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter erwartet wird.
Syrien, Salisbury, Ukraine
Der 190 Seiten lange Bericht von Ofcom nimmt insgesamt zehn RT-Sendungen unter die Lupe, die zwischen dem 17. März und dem 4. Mai 2018 ausgestrahlt wurden.
Der Bericht enthält außerdem zahlreiche Verweise auf Antworten auf Ofcoms Kritik, die von RT (über seinen Lizenzinhaber TV Novosti) eingegangen sind.
Die Medienaufsichtsbehörde kommt zu dem Schluss, dass RT in sieben der zehn überprüften Fälle gegen die Ofcom-Standards verstoßen hat.
RT wurde vom Kreml eingesetzt, wenn er wollte, dass das Publikum glaubt, dass die beiden Verdächtigen von Salisbury einfach ganz normale Touristen waren.
Der Bericht liefert mehrere Beispiele dafür, was es in der Praxis bedeutet, gegen die gebotene Unparteilichkeit zu verstoßen.
Die betreffenden RT-Sendungen befassten sich mit internationalen Angelegenheiten, z. B. dem Anschlag von Salisbury und der Lage in Syrien, aber auch mit Ereignissen in der Ukraine.
Falsche Gleichsetzung
Als im Dezember die Nachricht über Ofcoms Bericht bekannt wurde, sah sich Russlands Außenministerium verpflichtet klarzustellen, dass die Einleitung der BBC-Untersuchung „mit gleicher Münze zurückzahlen“ sei.
Offizielles Russland erkennt nicht an, dass die Beziehung zwischen der BBC und der britischen Regierung kaum als gleichwertig mit der Beziehung zwischen RT und der russischen Regierung bezeichnet werden kann – trotz klarer Unterschiede.
RT ist ein staatlicher Fernsehsender und ein Arm der russischen Behörden, wie ein russisches „Verteidigungsministerium“, wie es der Chefredakteur von RT formuliert hat.
Die BBC agiert unabhängig und auf Distanz zur britischen Regierung und beachtet eine Reihe von redaktionellen Richtlinien, die genau die Art von Standards widerspiegeln, die Ofcom bei ausländischen Rundfunkveranstaltern, die auf britischen Frequenzen senden – einschließlich RT – durchzusetzen versucht.
„Materiell irreführende Inhalte“
Ofcoms jüngste Feststellungen erinnern an eine Reihe früherer Fälle, in denen die Behörde RT dafür kritisiert hat, gegen journalistische Regeln verstoßen zu haben.
In diesen früheren Fällen (aufgeführt auf S. 9–13 in Ofcoms Update vom 18. April 2018) befand die britische Medienaufsicht RT nicht nur der Verstöße gegen die gebotene Unparteilichkeit für schuldig, sondern auch der Verbreitung „materiell irreführender Inhalte“.
Was ist mit der BBC?
Moskaus Reaktion ähnelt dem rhetorischen Trick des „Whataboutism“, der für die Kreml-Kommunikation charakteristisch ist: Wenn RT kritisiert wird – was ist dann mit der BBC?
Selbst wenn weder RT noch die BBC sanktioniert werden, wird Ofcoms akribische Analyse der RT-Ausstrahlungen dennoch als Grundlage für eine zukünftige Prüfung von RT gültig bleiben und als Zeugnis dafür, warum einige, einschließlich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, in Frage stellen, ob RTs Output überhaupt als Journalismus gilt.
Sehen Sie sich das Video an, um mehr über RT und Sputnik zu erfahren, die beiden wichtigsten internationalen Medien-Sprachrohre des Kremls.
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Oberes Bild: Screenshot aus einem der von Ofcom kritisierten RT-Programme.
