Sarkasmus und Fehlübersetzung: Die zwei letzten Bastionen der Desinformation
Wenn der Kreml einen schlechten Stand hat und durch internationale Kritik in die Enge getrieben wird, werden die Medien, die er kontrolliert, zunächst versuchen, das Publikum mit Nebelkerzen der Desinformation zu verwirren. Aber wenn dieser Trick nicht mehr funktioniert, besteht eine letzte Bastion der Selbstverteidigung darin, Sarkasmus einzusetzen, um die Quellen der Kritik schlicht lächerlich zu machen. Außerdem kann eine Fehlübersetzung der Kritik dazu genutzt werden, ein Argument zu konstruieren, wenn kein vernünftiges Argument existiert.
Beide Methoden wurden eingesetzt, nachdem Russland offiziell aufgefordert worden war, seine Verantwortung zu akzeptieren für den Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine, nachdem das Gemeinsame Ermittlungsteam (JIT) zu dem Schluss gekommen war, dass die Rakete, die das Passagierflugzeug abgeschossen hat, russisch war.
Ein anschauliches Beispiel war ein Kommentar, der von Iswestija, einer kremlnahen Tageszeitung, veröffentlicht wurde.Der Autor, der als Militärexperte präsentiert wird, setzt sarkastische Anführungszeichen um das Wort „Ermittler“, wenn er über die JIT-Beamten spricht, um sie und ihre Arbeit herabzusetzen.
Gleichzeitig macht sich der Experte (wir werden seinem Beispiel nicht folgen und ihn in sarkastischen Anführungszeichen einen „Experten“ nennen) über die Untersuchung lustig, weil sie davon spricht, dass die russische BUK-Rakete eine Reihe von „Fingerabdrücken“ trage, die sie von anderen BUK-Raketen unterscheiden, und sagt, dass „offenbar die Fingerabdrücke von Verdächtigen auf den Teilen der BUK-Rakete gefunden wurden…“
Auch wenn man dem Autor vielleicht verzeihen kann, dass er kein Englisch versteht, stützt er sich eindeutig auf eine Geschichte, die von der staatlichen Nachrichtenagentur RIA veröffentlicht wurde, in der ein Abgeordneter der russischen Staatsduma auf dieselbe Fehlübersetzung des englischen Wortes „fingerprint“ Bezug nahm.RIA zog seine Geschichte später zurück, wie von Polygraph.info beschrieben; aber der Beitrag von Izvestiya bleibt auf der Website der Tageszeitung.
Der Izvestiya-Artikel und sein unkritisches Missverständnis von „Fingerabdruck“ wurde entdeckt vom Blogger und Redakteur von Coda Storys russischer Ausgabe, Alexey Kovalev.
Weiterführende Lektüre:
MH17:
MH17: Die Zeit läuft der Desinformation davon
Defensive Desinformation als Ablenkungsfackel: Skripal und Flug MH17
Flug MH17: Warum kann der Kreml nicht die Wahrheit sagen?
Fehlübersetzungen:
NTV fährt nach Dänemark: eine Geschichte über einen Bumerang-Effekt
„Vous êtes malhonnête, Monsieur!“