Grundursachen

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Wenn der Kreml von „Grundursachen“ spricht, will er keinen Frieden. Er fordert die Kapitulation der Ukraine, getarnt hinter einer dünnen diplomatischen Fassade.

Während Friedensgespräche über die groß angelegte Invasion Russlands in der Ukraine in Istanbul stattfanden und US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin miteinander telefonierten, tauchte in der kremlfreundlichen Rhetorik immer wieder eine vertraute Phrase auf: die mysteriöse Notwendigkeit, die „Grundursachen“ anzugehen.

Hinter dieser scheinbar vernünftigen diplomatischen Sprache verbirgt sich eine weitaus unheilvollere Agenda, die nichts mit Frieden und alles mit der Unterwerfung der Ukraine zu tun hat.

Die Entschlüsselung der Rhetorik Kremls über „Grundursachen“

Wenn Moskau immer wieder darauf besteht, dass die Friedensverhandlungen die „Grundursachen“ angehen müssen, verwendet es in Wirklichkeit eine verschlüsselte Sprache für eine Reihe vorher festgelegter maximalistischer Forderungen. Diese Manipulationstaktik zeigt sich immer wieder, etwa in der Behauptung, Russland wolle „die Grundursachen des Ukraine-Konflikts lösen“, während „der Westen den Frieden sabotieren wolle“.

Der Kreml konstruiert diese Narrative absichtlich, um den falschen Eindruck zu erwecken, Russland sei die vernünftige Partei, die eine Lösung anstrebe – während die eigentlichen Ziele im Verborgenen bleiben. Wie wir bereits berichtet haben, beinhaltet Moskaus Definition der „Grundursachen“ in Wirklichkeit immer die Forderung, dass die Ukraine ihre Souveränität aufgibt, Gebietsverluste akzeptiert und sich der Kontrolle des Kremls unterwirft.

Am zynischsten ist dabei vielleicht der Versuch, Russland als Opfer (siehe auch hier und hier) und nicht als Aggressor darzustellen. Indem er die NATO-Erweiterung, angeblichen „Nazismus“ in der Ukraine oder westliche „Provokationen“ verantwortlich macht, versucht der Kreml, die Geschichte umzuschreiben und seine grundsätzliche Verantwortung zu vertuschen: den Beginn einer unprovozierten, groß angelegten Invasion eines souveränen Nachbarlands.

Strategische Ziele hinter dem Narrativ der „Grundursachen“

Das Narrativ des Kremls über „Grundursachen“ erfüllt mehrere strategische Zwecke im Rahmen seiner Manipulationsstrategie.

Erstens stiftet es Verwirrung darüber, wer die tatsächliche Verantwortung für den laufenden Krieg trägt. Durch die gezielte Verwischung der Kriegsursachen hofft der Kreml, dass die internationale Öffentlichkeit vergisst, dass Russland bereits 2014 die territoriale Integrität der Ukraine verletzt hat, bevor es 2022 einseitig eine groß angelegte Invasion der Ukraine startete.

Zweitens schafft das Narrativ unerfüllbare Vorbedingungen für Frieden. Wenn Russland davon spricht, die „Grundursachen“ anzugehen, fordert es in Wirklichkeit die Kapitulation der Ukraine – getarnt als Diplomatie. Der Kreml sagt faktisch: „Es wird Frieden geben, wenn ihr unsere imperiale Vorherrschaft über euer Land akzeptiert.“ Machen wir es klar: Das ist keine Bedingung für Frieden. Es ist ein bewusst gesetztes Hindernis auf dem Weg dorthin.

Drittens verschafft es Zeit. Während Russland weiterhin mit Herausforderungen auf dem Schlachtfeld konfrontiert ist, verschafft ihm dieses Narrativ diplomatische Deckung – während sich das Militär neu aufstellt, Truppen rekrutiert und sich auf erneute Offensiven vorbereitet.

Die wahre Ursache – der Imperialismus des Kremls

Trotz der Versuche Moskaus, die Realität mit seinem Narrativ zu verschleiern, liegt die wahre Ursache dieses Konflikts auf der Hand: die Weigerung des Kremls, die Existenz der Ukraine als souveräne Nation mit dem Recht auf eine selbstbestimmte Zukunft anzuerkennen.

Für Putin und sein Regime stellen die Demokratie in der Ukraine, ihr Streben nach einer EU- und NATO-Mitgliedschaft und ihre kulturelle Unabhängigkeit eine existenzielle Bedrohung für das autoritäre Modell dar, das sie aufgebaut haben. Ein Erfolg der Ukraine würde den Russen zeigen, dass eine andere, demokratischere Zukunft auch für sie möglich ist – eine Aussicht, die der Kreml nicht tolerieren kann.

In Putins berüchtigtem 5.000-Wörter-Essay, der nur wenige Monate vor dem Einmarsch veröffentlicht wurde, sprach er der Ukraine ausdrücklich die Legitimität als unabhängige Nation ab. In diesem Krieg geht es nicht um die NATO, angebliche „Nazis“ oder irgendeinen anderen erfundenen Vorwand; es geht um die Verwirklichung der imperialen Vision Russlands.

Die Anerkennung dieser grundlegenden Realität ist entscheidend, um zu verstehen, wie und warum der Kreml den Informationsraum im Zusammenhang mit Friedensverhandlungen manipuliert. Jeder Rahmen, der die trügerische Prämisse der „Grundursachen“ des Kremls akzeptiert, ist kein Weg zum Frieden, sondern ein Bauplan für die Zerstückelung und Unterwerfung der Ukraine.

Ein echter und gerechter Frieden erfordert Rechenschaft – nicht die Legitimierung von Aggression durch diplomatische Wortspiele.

Wir durchschauen die Manipulationstaktiken des Kremls – selbst dann, wenn sie sich im vergifteten Vokabular einer vom Kreml definierten „Friedenslösung“ kleiden.

Lassen Sie sich nicht täuschen.

Diese Woche ebenfalls auf dem Disinfo-Radar:

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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